Arbeitsklima Index November 2008

Index sinkt deutlich - Arbeitnehmer befürchten Krise

Der Arbeitsklima Index ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Aktuell beträgt er 109 Punkte, vor einem Jahr lag er noch beim Rekordwert von 112 Punkten.

Die Arbeitnehmer/-innen sind vor allem zunehmend pessimistisch, was die wirtschaftliche Zukunft Österreichs betrifft.

zum Seitenanfang

Arbeiter und Beamte besonders skeptisch

Laut Arbeitsklima Index bewerteten im Herbst 72 Prozent der Arbeitnehmer/-innen die wirtschaftliche Zukunft Österreichs positiv. Sie sind damit weniger optimistischer als noch im Frühjahr, als 81 Prozent die Zukunft "sehr" beziehungsweise "ziemlich optimistisch" bewerteten. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung bei den öffentlich Bediensteten, nach 81 Prozent sind nur mehr 68 Prozent sehr oder ziemlich optimistisch – um 13 Prozentpunkte weniger. Diese Gruppe umfasst neben den Beamten auch die Bediensteten von Post und Bahn. Bei den Arbeiter/-innen gibt es einen Rückgang um sieben Prozentpunkte, von 77 auf 70 Prozent. Die Angestellten kommen derzeit auf 74 Prozent, nach den 83 Prozent - ein Minus von neun Prozentpunkten.

Unzufriedenheit mit Sozialleistungen

Seit dem Frühjahr ist auch die Zufriedenheit mit den betrieblichen Sozialleistungen gesunken. Insbesondere bei den Angestellten zeichnet sich ein starker Rückgang ab. Im Frühjahr 2008 gaben mit 74 Prozent noch fast drei Viertel an, damit zufrieden zu sein. Im Herbst waren es nur noch zwei Drittel (67 Prozent). Der Rückgang ist bei den Beschäftigten im Bank- und Versicherungswesen am auffallendsten: Die Zufriedenheit ist um 10 Prozentpunkte auf 75 Prozent gefallen. Hier wirken sich möglicherweise die ersten Kürzungen und Sparmaßnahmen aufgrund der Finanzkrise aus.

Positiver Blick auf das eigene Unternehmen

Der zunehmende Pessimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Zukunft des Landes ändert allerdings nichts daran, dass die Perspektiven für den eigenen Betrieb nach wie vor optimistisch bewertet werden. Nach 87 Prozent im Frühjahr sind es derzeit 84 Prozent, die die wirtschaftliche Zukunft des Betriebs positiv einschätzen.

Angestellte vertrauen auf Karrierechancen

Die Angestellten sind nach wie vor zuversichtlich, was die Chancen für den eigenen Aufstieg betrifft: Konstant rund 60 Prozent sind mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden. Bei den öffentlich Bediensteten sieht es hingegen anders aus. Nach den ohnehin schon niedrigen 62 Prozent im Frühjahr erreichen sie derzeit nur 56 Prozent.

zum Seitenanfang

Junge ernüchtert: Chancen auf neue Jobs schwinden

Der Arbeitsklima Index für die bis 25-Jährigen ist um vier Indexpunkte gesunken. Bei den Arbeitnehmer/-innen ab 46 Jahren hingegen nur um einen Indexpunkt.

Seit der Messung im Frühjahr 2008 ist der Indexwert der jugendlichen Arbeitnehmer/-innen im Alter von bis zu 25 Jahren von 115 auf 111 Indexpunkte gefallen. Einen ähnlich niedrigen Wert hat es zuletzt im Jahr 2006 gegeben. Bei den Beschäftigten ab 46 Jahren ist der Index ebenfalls gefallen, allerdings geringer: von 108 auf 107 Punkte.

Schlechtere Aussichten auf neue Arbeitsplätze

Die unterschiedliche Entwicklung zwischen Jung und Alt lässt sich unter anderem auf die differenziert wahrgenommenen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zurückführen. Während im Frühjahr 2008 noch 30 Prozent der Dienstnehmer/-innen bis 25 Jahren daran zweifelten, im Falle des Falles wieder einen passenden Job zu finden, befürchten dies im Herbst 2008 mit 34 Prozent um vier Prozentpunkte mehr.

Mehr Chancen für Ältere

Bei den Beschäftigten ab 46 Jahren ist der Pessimismus bezüglich der Jobchancen hingegen gesunken. Zweifelten im Frühjahr mit 76 Prozent mehr als drei Viertel dieser Altersgruppe daran, wenn notwendig wieder einen adäquaten Job zu finden, so sind es im Herbst 69 Prozent. Der Unterschied zwischen Jung und Alt bei den Jobaussichten ist damit zwar kleiner geworden, bei den Älteren sind aber nach wie vor mehr als doppelt so viele bezüglich der Jobchancen skeptisch als bei den Jungen.

zum Seitenanfang

Ende des Booms

Die gute Wirtschaftslage der vergangenen Jahre war mit einem Beschäftigungswachstum verbunden. Vor allem in unternehmensnahen Dienstleistungen und der Baubranche gab es viel zu tun.

Optimismus für die wirtschaftliche Zukunft Österreichs

Schon im Frühjahr hat es erste Anzeichen dafür gegeben, dass die Arbeitszufriedenheit zurückgeht. Die durch den Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems ausgelöste Wirtschaftskrise wird das noch verstärken. Sichtbar wird das, wenn man nach den Zukunftserwartungen der Arbeitnehmer/-innen fragt. So ist die Zuversicht der Beschäftigten in den unternehmensnahen Finanzdienstleistungen am stärksten eingebrochen – von 80 auf nur mehr 63 Prozent "sehr" oder "ziemlich" für die wirtschaftliche Zukunft Österreichs Optimistische. Ein Rückgang um 17 Prozentpunkte innerhalb weniger Monate!

Die zweite Branche, die unter den sich verschlechternden Zukunftsaussichten leidet, ist die Baubranche. Hier beträgt das Minus 16 Prozentpunkte (von 77 auf 61 Prozent). Ähnlich auch das Minus im Tourismus mit 13 Prozentpunkten (von 86 auf 73 Prozent).

Pessimistischer sind auch die Arbeitnehmer/-innen im Gesundheits- und Sozialwesen mit einem Minus von 12 Prozentpunkten (von 78 auf 66 Prozent) sowie die in Verwaltung und Sozialversicherung Beschäftigten mit einem Minus von 15 Prozentpunkten (jetzt 71 nach 86 Prozent).

Weniger beeindruckt von der sich verschlechternden Konjunktur sind hingegen die Arbeitskräfte im Einzelhandel. Hier liegt die Zahl der Optimistinnen und Optimisten bei unverändert rund 75 Prozent.

zum Seitenanfang

Ins Eck gestellt: Arbeitszufriedenheit bei Migranten gering

Erstmals werden im Arbeitsklima Index auch spezifische Werte für Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund ausgewiesen. Es gibt interessante Detailergebnisse.

Als Migrantinnen und Migranten werden jene Arbeitnehmer/-innen betrachtet, die selbst oder deren Eltern nicht in Österreich geboren sind. Bei der Analyse wurden Personen aus Ost- und Westeuropa, dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei jeweils in einer eigenen Gruppe zusammengefasst.

Strukturelle Besonderheiten

Wichtig für das Verständnis des Arbeitsklima Index für Migrantinnen und Migranten ist, dass jeweils deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten mit türkischem und ex-jugoslawischem Hintergrund Arbeiter/-innen sind und sie im öffentlichen Dienst kaum Beschäftigung finden. Die Osteuropäer/-innen entsprechen in dieser Hinsicht hingegen den Arbeitnehmer/-innen ohne Migrationshintergrund: Rund ein Drittel sind Arbeiter/-innen, mehr als die Hälfte Angestellte, während rund ein Siebtel im öffentlichen Dienst arbeiten.

Türken und Osteuropäer sind abgeschlagen

Arbeitnehmer/-innen, die selbst beziehungsweise deren Eltern aus der Türkei stammen, weisen mit 98 Punkten einen stark unterdurchschnittlich niedrigen Indexwert auf. Die Beschäftigten aus Osteuropa liegen mit 99 Punkten ebenfalls weit unter dem Durchschnitt. Die Arbeitnehmer/-innen aus dem ehemaligen Jugoslawien kommen auf einen Wert von 107 Indexpunkten, jene aus Westeuropa auf 109 Indexpunkte.

Mit Beruf deutlich unzufriedener

Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund geben seltener an, mit ihrer beruflichen Tätigkeit insgesamt zufrieden zu sein. Nur 64 Prozent der Arbeitnehmer/-innen mit türkischem Hintergrund sind "sehr" oder "ziemlich" damit zufrieden. Bei den Osteuropäerinnen und Osteuropäern sind es 69 Prozent, bei Beschäftigten aus Ex-Jugoslawien 72 Prozent.

Bei Ausbildung klar benachteiligt

Auch die Antworten zur Zufriedenheit mit Weiterbildungsmöglichkeiten ergeben eine eindeutige Rangordnung: Nur vier von zehn der Beschäftigten mit türkischem Migrationshintergrund sind damit zufrieden. Rund die Hälfte der übrigen Arbeitnehmer/-innen mit Migrationshintergrund sind damit zufrieden, Erwerbstätige ohne hingegen zu 65 Prozent.

zum Seitenanfang

Mehrarbeit

Die Arbeitnehmer/-innen in Österreich sind mit der Arbeitszeitregelung unzufriedener als noch vor einem halben Jahr: Waren im Frühjahr noch 82 Prozent „sehr“ beziehungsweise "ziemlich" zufrieden, so sind es im Herbst nur mehr 78 Prozent.

Vor allem Arbeitnehmer/-innen mit Matura oder Universitäts/Fachhochschulabschluss (81 nach 89 Prozent) sowie Absolventinnen und Absolventen von berufsbildenden mittleren Schulen (79 nach 87 Prozent) sind unzufriedener.

Bei den Beschäftigten mit zumindest Matura ist die steigende Unzufriedenheit vor allem auf die Gruppe der Arbeitnehmer/-innen zurückzuführen, die mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten.

In dieser Gruppe sinkt die Zufriedenheit mit der Arbeitszeitregelung von 83 auf 70 Prozent. Gleichzeitig verbringt aber ein größerer Anteil von Personen mehr als 40 Stunden wöchentlich am Arbeitsplatz: 31 statt vorher 27 Prozent.

Bei den weniger Qualifizierte ergibt sich ein ähnliches Bild. Bei Hilfskräften und Lehrabsolventinnen und Lehrabsolventen nimmt die Unzufriedenheit bei mehr als 40 Wochenstunden zu. Allerdings ist die Zahl jener, die so lange arbeiten, in dieser Gruppe nicht gestiegen.

zum Seitenanfang

Lebensfrust: Der öffentliche Dienst ist wenig attraktiv

Die Arbeitszufriedenheit der öffentlich Bediensteten ist seit Jahren unterdurchschnittlich. Auch die Zufriedenheit mit dem Leben geht in dieser Gruppe zurück.

Bei den öffentlich Bediensteten geben aktuell weniger an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Der Anteil der „sehr“ und "ziemlich" Zufriedenen ist in den vergangenen Monaten von 94 auf 87 Prozent gesunken. Sie unterscheiden sich damit deutlich von den Arbeiter/-innen und Angestellten in der Privatwirtschaft, wo sich die Zufriedenheit mit dem Leben nicht verändert hat. Eine mögliche Ursache für die unterschiedliche Entwicklung: Das vorzeitige Ende der Bundesregierung im Sommer 2008.

Leichter Trend nach unten

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Zufriedenheit mit dem Leben leicht zurückgeht. 86 Prozent aller Arbeitnehmer/-innen geben an, damit zufrieden zu sein. Im Frühjahr waren es 88 Prozent.

Newsletter

Immer informiert...